Erste Projektphase: September 2015 bis März 2016

Nach einem Aufruf zur Unterstützung der lokalen Flüchtlingsorganisationen auf Lesbos im September 2015 entstand in kürzester Zeit das Hilfs- und Solidaritätsprojekt Volunteers for Lesvos, dessen Kern ein Team von 4-6 Freiwilligen ist. Die Initiative: Respekt für Griechenland  konnte dabei auf Erfahrungen von Personen zurückgreifen, die in der Initiative mitarbeiten und bereits im Sommer 2015 auf Lesbos waren. Das Projekt wird seit Beginn von Anja Schneider geleitet, im Wesentlichen von Berlin aus. Koordiniert vor Ort wird es jeweils von einem Teammitglied, das einen längeren Zeitraum bleiben oder wiederholt mitarbeiten kann.

Was genau wann wie getan wird, soll das jeweilige Team nach Analyse der Situation in Absprache mit anderen NGOs selbst entscheiden. Dabei ist allen Tätigkeiten der Anspruch übergeordnet, den Menschen auf der Flucht, den Einheimischen, den anderen Freiwilligen sowie den eigenen Teammitgliedern respektvoll zu begegnen.

Von November 2015 bis März 2016 halfen die Teilnehmer_innen bei der Erstbetreuung der Menschen, die völlig durchnässt und unterkühlt die Strände von Lesbos erreicht hatten, und kümmerten sich um die tägliche Versorgung der Angekommenen mit Essen und Kleidung. Allein von Januar bis 20. März 2016 landeten über 85.000 Flüchtende auf Lesbos.

Die Entscheidung, zu bleiben 

Das Team ist auf Lesbos geblieben – auch, als in Folge des Abkommens der EU mit der Türkei vom 20. März nur noch wenige Boote ankamen – während viele Gruppen und Hilfsorganisationen sich zurückzogen. Lesbos ist weiterhin ein Brennpunkt: Dort leben mehrere tausend Flüchtlinge, 2000 – 3000 im berüchtigten Hotspot Moria. Das Lager ist überbelegt, die Verwaltung personell unterbesetzt, die Verteilung und die Qualität des Essens ein großes Problem. Es fehlt an Übersetzern und die wenigen Anwälte, die in Moria Asylberatung machen, sind völlig überlastet. Die Insassen leben in Angst vor einer Abschiebung in die Türkei, aus Verzweiflung kommt es teilweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Daneben sind über 1000 weitere Schutzsuchende in anderen Camps der Insel untergebracht. Eine größere Anzahl wurde als „vulnerable cases“, als Härtefälle, von Moria in freundlichere Unterkünfte verlegt. Das betrifft u.a. chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Schwangere, alleinerziehende Mütter. Daneben gibt es spezielle Unterbringungen für Familien und z.T. für alleinreisende Minderjährige.

 

Für unabhängige Volunteers wurde es durch Reglementierungen erschwert, nach Moria und in die anderen Flüchtlingsunterkünfte hineinzukommen. Deshalb kooperieren unsere Teammitglieder mit NGOs, denen der Zutritt erlaubt ist. So haben die Volunteers for Lesvos mehr als genug zu tun –  nicht nur am Rande sondern auch im Zentrum des dortigen Fluchtelends.

Rückblickend war es eine richtige Entscheidung, auf Lesbos zu bleiben, trotz der veränderten  Situation. Das Projekt kann sich, wie deutlich wurde, kurzfristig auf neue Anforderungen einstellen. Da weiterhin viele unterschiedlich qualifizierte Freiwillige wegen einer Mitarbeit anfragen, stellt die Projektleiterin das sich laufend erneuernde Team gezielt so zusammen, das es schnell und flexibel auf den jeweils vordringlichen Bedarf antworten kann.

Zweite Projektphase: Gegenwärtige Tätigkeiten

Die Arbeit reicht von Alltagsfürsorge bis zu professioneller Unterstützung. Das bedeutet konkret:

  • Schichtdienst in den Camps, auch abends und nachts
  • Sortieren und Verteilen von Kleidung
  • Essensausgabe
  • Unterrichten (z.B. Deutsch und Englisch)
  •   Anbieten weiterer Aktivitäten wie z.B. Spielen mit den Kindern oder
  • Ganz wesentlich: einfach nur zuhören, miteinander sprechen
  • Übersetzen/Ermöglichen von Kommunikation (u.a. auch bei Arztbesuchen und Rechtsberatung) durch Projektteilnehmer, die Arabisch oder Farsi sprechen
  • Versorgung/Unterstützung besonders Bedürftiger/Kranker durch medizinisch und psychologisch geschulte Teammitglieder
  •    Mithilfe z.B. beim Einlegen von Widerspruch in den Asylverfahren durch Jurist_innen. Da für alle rechtlichen Schritte griechische Anwälte gebraucht werden, suchen und finden wir gegenwärtig griechische Anwälte für unser Team
  • Beteiligung an der Beobachtung des Meeres und ggf. der Sicherstellung der Erstversorgung am Strand (es kommen immer noch Boote an, wenn auch wenige)
  • Dazu kommt die Recherche von Informationen, die Teilnahme an Veranstaltungen der UNCHR und Meetings mit anderen NGOs sowie das Schreiben von Berichten.  

Teilnahmebedingungen

Mindestaufenthalt: Wie die Erfahrung gezeigt hat, stehen bei einem Aufenthalt von 1-2 Wochen Aufwand und Nutzen nicht im besten Verhältnis. Es braucht ein paar Tage, um sich zu orientieren und einzuarbeiten. Daher suchen wir Freiwillige, die mindestens drei Wochen oder länger im Projekt mitarbeiten können. Ausnahmen machen wir bei Bewerber_innen, die Arabisch, Farsi, Urdu oder Griechisch sprechen und die jeweils vorrangig gebrauchten Qualifikationen mitbringen.

Wohnsituation: Unsere Basis ist eine einfache Wohnung in Mytilini (der Hauptstadt), sie hat Küche, Bad und vier bis sechs Schlafgelegenheiten. Je nach Größe des Teams teilen sich jeweils zwei Teilnehmer_innen ein Zimmer.

Zuschuss zu den Reise- und Lebenshaltungskosten: Die Arbeit ist ehrenamtlich, bei  Bedarf gibt es aber einen Zuschuss zu den Reise- und den Lebenshaltungskosten: maximal 300 € für Hin- und Rückflug, 12 €/ pro Tag für Verpflegung. Die Unterkunft ist umsonst. Wenn Reise- und Lebenshaltungskosten ganz oder teilweise von den Teilnehmenden selbst getragen werden, können dadurch andere, die finanziell nicht so gut da stehen, stärker bezuschusst werden.

Planungsstand

Die Situation auf Lesbos ist nach mehreren Seiten hin offen: Es ist weder auszuschließen, dass die Insel sich auf einen langen Aufenthalt einer Vielzahl von Geflohenen einstellt und sich um deren Integration bemüht, noch, dass alle Flüchtlinge von den Inseln aufs Festland abtransportiert werden, noch, dass nach einem Scheitern des Abkommens mit der Türkei erneut viele Boote auf Lesbos ankommen.

 

Die Initiative: Respekt für Griechenland kann sich dank ihrer Kontakte zu Personen und Gruppen in Griechenland, die mit und für Flüchtlinge arbeiten, schnell auf Veränderungen einstellen. Eine Verlagerung des Teams an einen anderen Ort ist kurzfristig ebenso machbar wie die Umstellung auf eine erneut veränderte Situation auf Lesbos. Wir möchten das Team erhalten und die Arbeit in Griechenland fortsetzen, solange Bedarf an Mithilfe besteht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es uns gelingt, weiterhin die dafür notwendigen Spenden einzuwerben.

Kontaktaufnahme

Falls Interesse besteht, bei Volunteers for Lesvos mitzuarbeiten, mailen Sie uns, wann und wie lange Sie bleiben können und erzählen Sie etwas von sich und Ihrem Hintergrund,  z.B. ob und wo Sie sich gesellschaftspolitisch engagieren, welche Erfahrungen und Kenntnisse Sie haben, die für das Projekt relevant sein könnten – kulturelle, medizinische, juristische, handwerkliche, pädagogische, journalistische u.a. Englisch-Kenntnisse sind Voraussetzung, Farsi, Arabisch, Urdu und Griechisch sind besonders willkommen. Lassen Sie uns Alter, Wohnort, Ausbildung/Beruf wissen und ob Sie einen Führerschein haben. Bringen Sie ein polizeiliches Führungszeugnis mit, es kann demnächst bei einer Registrierung als Volunteer verlangt werden. Und vergessen Sie nicht, uns Ihre Telefonnummer  mitzuteilen.

 

Die Initiative Respekt für Griechenland erreichen Sie über:

Initiative-rfg@posteo.de

Ansprechpersonen: Herbert Nebel, Anja Schneider, Hilde Schramm

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